Naben: Unterschied zwischen den Versionen

Aus DDR-FahrradWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zeile 1: Zeile 1:
Wichtigster Hersteller von Fahrradnaben [[FuS|Fichtel und Sachs (FuS]]) (bis 1955). Der Übergang von FuS zu [[Renak]] erfolgte im Laufe des Jahre 1955, in diesm jahr wurden Naben mit ''FuS'' und auch mit ''Renak'' gestempelt. Ab 1955 war dann Renak in der DDR alleiniger Hersteller für alle Typen von Fahrradnaben. Die Rücktrittnaben von FuS und Renak funktionierten nach dem ''Torpedo''-Prinzip. Bis 1953 wurden auch Rücktrittnaben produziert, die nach dem ''Centrix''-Prinzip funktionierten. Hersteller war bis 1951 der VEB IFA Fahrradnabenwerk Dresden, danach noch bis 1953 [[Infesto]]. Vorderradnaben waren mit ''IFA'', Rücktrittnaben mit ''IFA Centrix'', vrmtl. ab 1951/52 nur noch mit [[IFA]] geprägt. Ab den späten 1980ern wurden von Renak Rücktrittnaben gebaut, die ebenfalls nach dem Centrix-Prinzip funktionierten. Bis Anfang der 1950er Jahre existierten außerdem zahlreiche, kleine Hersteller von Fahrradnaben, die vor allem im thüringischen Zella-Mehlis angesiedelt waren. Sie produzierten hauptsächich Vorderradnaben, vereinzelt aber auch Freilaufnaben bzw. deren Einzelteile.
+
Wichtigster Hersteller von Fahrradnaben war bis 1955 [[FuS|Fichtel und Sachs (FuS]]). Der Übergang von FuS zu [[Renak]] erfolgte im Laufe des Jahre 1955, in diesem Jahr wurden Naben mit ''FuS'' und auch mit ''Renak'' gestempelt. Ab 1955 war dann Renak in der DDR alleiniger Hersteller für alle Typen von Fahrradnaben. Die Rücktrittnaben von FuS und Renak funktionierten nach dem ''Torpedo''-Prinzip. Bis 1953 wurden auch Rücktrittnaben produziert, die nach dem ''Centrix''-Prinzip funktionierten. Hersteller war bis 1951 der VEB [[IFA Fahrradnabenwerk Dresden]], danach noch bis 1953 [[Infesto]]. Deren Vorderradnaben waren mit ''IFA'', Rücktrittnaben mit ''IFA Centrix'', vrmtl. ab 1951/52 nur noch mit [[IFA]] geprägt. Ab den späten 1980ern wurden von Renak Rücktrittnaben gebaut, die ebenfalls nach dem Centrix-Prinzip funktionierten. Bis Anfang der 1950er Jahre existierten außerdem zahlreiche, kleine Hersteller von Fahrradnaben, die vor allem im thüringischen Zella-Mehlis angesiedelt waren. Sie produzierten hauptsächich Vorderradnaben, vereinzelt aber auch Freilaufnaben bzw. deren Einzelteile.
  
Starre Hinterradnaben waren mit Freilaufritzeln ausgestattet, Bahn- und Saalsporträder dagegen mit starren Ritzeln, mit denen auch rückwärts gefahren werden konnte. Rücktrittnaben hatten stets einen [[Öler]] zur regelmäßigen Versorgung des Bremsmantels mit Öl; bei starren Naben und Vorderradnaben wurden Öler nur bis 1956 verwendet.
+
In den 1980er Jahren bediente sich die DDR-Fahrradindustrie auch chinesischer Fahrradrücktrittnaben, die baugleich mit Renak-Rücktrittnaben waren. Gestempelt waren diese Importnaben mit "Gold Deer", was auf das Reh im Renak-Logo anspielte. Qualitativ waren diese Naben eher minderwertig. Teilweise wurden auch Rücktrittnaben des Herstellers Favorit aus der damaligen ČSSR importiert. Für die Rennsport- und Rennräder von Diamant sowie für einige Sporträder von Mifa wurden in den späten 1980er Jahren gelegentlich auch Vorder- und Hinterradnaben des französischen Herstellers Maillard verwendet, vereinzelt auch solche des italienischen Herstellers Gipiemme.
  
Die meisten Fahrradnaben bestanden aus [[Galvanische Veredelung|verchromtem]] Stahl (IFA Centrix-Naben waren teilweise auch vernickelt), Rennradnaben aus blankem Aluminium. Es gab auch Rennrad- und Saalsportnaben, deren Flansche aus Aluminium, das Mittelstück dagegen aus verchromtem Stahl bestand. Hochflanschnaben, ebenfalls mit Aluminiumflanschen und dem Mittelstück aus Stahl, wurden für Bahn- und Saalsport-Räder verwendet. Sofern in den Beschreibungen der Modellübersichten der einzelnen Fahrradhersteller nichts anderes erwähnt wird, besaßen die Fahrräder Vorderrad- und Hinterradnaben aus Stahl.  
+
Bis 1961 wurden FuS-/Renak-Naben mit dem Baujahr geprägt, dann entfiel diese Prägung für einige Jahre. Spätestens 1972 begann man wieder mit der Prägung des Baujahres auf Vorderradnaben. Erst ab ca 1980 wurden wieder fast alle Hinterradnaben mit dem Baujahr geprägt. Ab vrmtl. Anfang der 1970er Jahre wurden Naben zusätzlich auch mit "IFA" geprägt.
  
Bis 1961 wurden Naben mit dem Baujahr geprägt, dann entfiel diese Prägung für einige Jahre. Spätestens 1972 begann man wieder mit der Prägung des Baujahres auf Vorderradnaben. Erst ab ca 1980 wurden wieder fast alle Hinterradnaben mit dem Baujahr geprägt. Ab vrmtl. Anfang der 1970er Jahre wurden Naben zusätzlich auch mit "IFA" geprägt.  
+
Die meisten Fahrradnaben bestanden aus [[Galvanische Veredelung|verchromtem]] Stahl (IFA Centrix-Naben waren teilweise auch vernickelt), Rennradnaben aus blankem Aluminium. Es gab auch Rennrad- und Saalsportnaben, deren Flansche aus Aluminium, das Mittelstück dagegen aus verchromtem Stahl bestand. Hochflanschnaben, ebenfalls mit Aluminiumflanschen und dem Mittelstück aus Stahl, wurden für Bahn- und Saalsport-Räder verwendet. Sofern in den Beschreibungen der Modellübersichten der einzelnen Fahrradhersteller nichts anderes erwähnt wird, besaßen die Fahrräder Vorderrad- und Hinterradnaben aus Stahl.
  
In den 1980er Jahren bediente sich die DDR-Fahrradindustrie auch chinesischer Fahrradrücktrittnaben, die baugleich mit Renak-Rücktrittnaben waren. Gestempelt waren diese Importnaben mit "Gold Deer", was auf das Reh im Renak-Logo anspielte. Qualitativ waren diese Naben eher minderwertig. Teilweise wurden auch Rücktrittnaben des Herstellers Favorit aus der damaligen ČSSR importiert. Für die Rennsport- und Rennräder von Diamant sowie für einige Sporträder von Mifa wurden in den späten 1980er Jahren gelegentlich auch Vorder- und Hinterradnaben des französischen Herstellers Maillard verwendet, vereinzelt auch solche des italienischen Herstellers Gipiemme.
+
Starre Hinterradnaben waren mit Freilaufritzeln ausgestattet, Bahn- und Saalsporträder dagegen mit starren Ritzeln, mit denen auch rückwärts gefahren werden konnte. Rücktrittnaben hatten stets einen [[Öler]] zur regelmäßigen Versorgung des Bremsmantels mit Öl; bei starren Naben und Vorderradnaben wurden Öler nur bis 1956 verwendet.
  
Wesentliche sichtbare Teile von (Rücktritt-)Naben sind [[Bremsanker]] und [[Ritzel]]. Der Rücktritt basierte hauptsächlich auf dem Torpedo-Prinzip, bis Anfang der 1950er Jahre wurden aber auch Naben produziert, die nach dem Centrix-Prinizip arbeiteten. Das in Westdeutschland ebenfalls verbreitete Komet-Prinzip kam in der DDR nicht zur Anwendung.
+
Wichtige sichtbare Teile von (Rücktritt-)Naben sind [[Bremsanker]] und [[Ritzel]].
  
  

Version vom 24. März 2015, 21:04 Uhr

Wichtigster Hersteller von Fahrradnaben war bis 1955 Fichtel und Sachs (FuS). Der Übergang von FuS zu Renak erfolgte im Laufe des Jahre 1955, in diesem Jahr wurden Naben mit FuS und auch mit Renak gestempelt. Ab 1955 war dann Renak in der DDR alleiniger Hersteller für alle Typen von Fahrradnaben. Die Rücktrittnaben von FuS und Renak funktionierten nach dem Torpedo-Prinzip. Bis 1953 wurden auch Rücktrittnaben produziert, die nach dem Centrix-Prinzip funktionierten. Hersteller war bis 1951 der VEB IFA Fahrradnabenwerk Dresden, danach noch bis 1953 Infesto. Deren Vorderradnaben waren mit IFA, Rücktrittnaben mit IFA Centrix, vrmtl. ab 1951/52 nur noch mit IFA geprägt. Ab den späten 1980ern wurden von Renak Rücktrittnaben gebaut, die ebenfalls nach dem Centrix-Prinzip funktionierten. Bis Anfang der 1950er Jahre existierten außerdem zahlreiche, kleine Hersteller von Fahrradnaben, die vor allem im thüringischen Zella-Mehlis angesiedelt waren. Sie produzierten hauptsächich Vorderradnaben, vereinzelt aber auch Freilaufnaben bzw. deren Einzelteile.

In den 1980er Jahren bediente sich die DDR-Fahrradindustrie auch chinesischer Fahrradrücktrittnaben, die baugleich mit Renak-Rücktrittnaben waren. Gestempelt waren diese Importnaben mit "Gold Deer", was auf das Reh im Renak-Logo anspielte. Qualitativ waren diese Naben eher minderwertig. Teilweise wurden auch Rücktrittnaben des Herstellers Favorit aus der damaligen ČSSR importiert. Für die Rennsport- und Rennräder von Diamant sowie für einige Sporträder von Mifa wurden in den späten 1980er Jahren gelegentlich auch Vorder- und Hinterradnaben des französischen Herstellers Maillard verwendet, vereinzelt auch solche des italienischen Herstellers Gipiemme.

Bis 1961 wurden FuS-/Renak-Naben mit dem Baujahr geprägt, dann entfiel diese Prägung für einige Jahre. Spätestens 1972 begann man wieder mit der Prägung des Baujahres auf Vorderradnaben. Erst ab ca 1980 wurden wieder fast alle Hinterradnaben mit dem Baujahr geprägt. Ab vrmtl. Anfang der 1970er Jahre wurden Naben zusätzlich auch mit "IFA" geprägt.

Die meisten Fahrradnaben bestanden aus verchromtem Stahl (IFA Centrix-Naben waren teilweise auch vernickelt), Rennradnaben aus blankem Aluminium. Es gab auch Rennrad- und Saalsportnaben, deren Flansche aus Aluminium, das Mittelstück dagegen aus verchromtem Stahl bestand. Hochflanschnaben, ebenfalls mit Aluminiumflanschen und dem Mittelstück aus Stahl, wurden für Bahn- und Saalsport-Räder verwendet. Sofern in den Beschreibungen der Modellübersichten der einzelnen Fahrradhersteller nichts anderes erwähnt wird, besaßen die Fahrräder Vorderrad- und Hinterradnaben aus Stahl.

Starre Hinterradnaben waren mit Freilaufritzeln ausgestattet, Bahn- und Saalsporträder dagegen mit starren Ritzeln, mit denen auch rückwärts gefahren werden konnte. Rücktrittnaben hatten stets einen Öler zur regelmäßigen Versorgung des Bremsmantels mit Öl; bei starren Naben und Vorderradnaben wurden Öler nur bis 1956 verwendet.

Wichtige sichtbare Teile von (Rücktritt-)Naben sind Bremsanker und Ritzel.


Hersteller

Unter anderem:

  • Fichtel und Sachs (belegt für 1945 bis 1955)
  • Franz Bader (belegt für 1945, 1946, 1948 bis 1951)
  • R. Gottschalk & Co., Dresden (belegt für 1945 bis 1947)
  • VEB IFA Fahrradnabenwerk Dresden (belegt für 1947 bis 1951)
  • Infesto ( belegt für 1952, 1953)
  • Renak (belegt 1955 bis 1990)
  • VEB Kabelwerk Oberspree, Berlin-Oberschöneweide (belegt für 1954)
  • Gustav Albrecht, Zella-Mehlis (belegt für 1945)
  • Edmund Hemming, Zella-Mehlis (belegt für 1945)
  • Karl Reich (belegt für 1946)
  • Walter Bader (belegt für 1946, 1948)
  • Metallwarenfabrik Wissner AG, Zella-Mehlis (belegt für 1945)
  • Thüringer Fahrzeugteile- und Metallwaren-Fabrik Karl Büchel, Zella-Mehlis (belegt für 1945 bis 1948)
  • Thüringer Kugellagerfabrik der Staatlichen Aktiengesellschaft „Awtowelo“ vorm. Karl Reich, Zella-Mehlis (belegt für 1948, 1949, 1951)
  • Erich Hiller, Zella-Mehlis (belegt für 1948)
  • Carl Walter, Zella-Mehlis (belegt für 1945)
  • Karl L. Schlütter, Zella-Mehlis (belegt für 1947)
  • Gustav Hubing, Zella-Mehlis (belegt für 1948)


Vorderradnaben

Fahrrad-Vorderradnaben


Rennrad-Vorderradnaben



Starre Hinterradnaben

Fahrrad-Hinterradnaben (starr)


Rennrad-Hinterradnaben



Freilaufnaben mit Rücktritt


Technischer Aufbau von Fahrradnaben (Explosionszeichnungen)