Tipps zu Lack, Chrom, Gummi und Dekoren: Unterschied zwischen den Versionen

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Neben der oben beschriebenen sehr schonenden Reinigungsvariante, die die Spuren der Zeit belässt, kann Aluminium nach der Reinigung auch poliert und ggf. vorher ausgedellt und geschliffen werden. Das bietet sich bei starker Oxidation (Ausblühungen), bei tiefen Kratzern und Riefen wie auch bei stark zerdellten Blechen an.  
 
Neben der oben beschriebenen sehr schonenden Reinigungsvariante, die die Spuren der Zeit belässt, kann Aluminium nach der Reinigung auch poliert und ggf. vorher ausgedellt und geschliffen werden. Das bietet sich bei starker Oxidation (Ausblühungen), bei tiefen Kratzern und Riefen wie auch bei stark zerdellten Blechen an.  
  
Zur Politur hat sich der Einsatz von Polierscheiben (Sisal, diverse Schwabbelscheiben) mit dazugehörigen Polirmitteln bewährt. So können (hoch)glänzende Oberflächen geschaffen werden, die dem Originalzustand von Fahrrad-Aluminiumteilen entsprechen. - Bis in die 1980er Jahre waren beinahe alle Aluminiumkomponenten (Felgen, Schutzblechje, Bremsen, Bremshebel, Lenker, Vorbauten, Beleuchtungskomponenten usf.) ab Werk hochglänzend poliert (<span style="color:brown">jedoch kein Spiegelglanz</span>)! Mit chemischen Mitteln kann der Hochglanz durch Versiegelung erhalten werden. Ohne eine Versiegelung ermattet stark poliertes Aluminium mit der Zeit - die dann entstehende "seidenglänzende" Oberfläche passt optisch auch zu stärker gebrauchten Fahrrädern (siehe z.B. [[https://www.ddr-fahrradwiki.de/images/0/0b/Sportrad1958Gr%C3%BCnFront.JPG]]. Alternativ dazu kann die Politur in einem solchen Falle auch schwächer ausfallen (nur Sisal und eine mittelfeine Schwabbelscheibe).
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Zur Politur hat sich der Einsatz von Polierscheiben (Sisal, diverse Schwabbelscheiben) mit dazugehörigen Polirmitteln bewährt. So können (hoch)glänzende Oberflächen geschaffen werden, die dem Originalzustand von Fahrrad-Aluminiumteilen entsprechen - bis in die 1980er Jahre waren beinahe alle Aluminiumkomponenten (Felgen, Schutzbleche, Bremsen, Bremshebel, Lenker, Vorbauten, Beleuchtungskomponenten usf.) ab Werk hochglänzend poliert (jedoch kein Spiegelglanz). Durch eine Versiegelung kann der Hochglanz dauerhaft erhalten werden. Ohne weitere Behandlung ermattet poliertes Aluminium mit der Zeit - die dann entstehende "seidenglänzende" Oberfläche passt optisch auch zu stärker gebrauchten Fahrrädern (siehe z.B. [[https://www.ddr-fahrradwiki.de/images/0/0b/Sportrad1958Gr%C3%BCnFront.JPG]]. Alternativ dazu kann die Politur in einem solchen Falle auch schwächer ausfallen (nur Sisal und eine mittelfeine Schwabbelscheibe).
  
Anstelle der mechanischen ist auch eine chemische Politur möglich, die bei nur geringer Oxidation und insgesamt wenig angegriffenen Oberflächen oft bereits genügt. Auch hier haben sich Spezialpolituren wie Elsterglanz oder Nevr Dull-Polierwatte bewährt.
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Anstelle der mechanischen ist auch eine chemische Politur möglich, die bei nur geringer Oxidation und insgesamt wenig angegriffenen Oberflächen oftmals bereits genügt. Auch hier sind Spezialpolituren wie Elsterglanz oder Nevr Dull-Polierwatte geeignet.
  
 
[[Kategorie:Werkstatt und Restaurierung]]
 
[[Kategorie:Werkstatt und Restaurierung]]

Version vom 19. April 2019, 23:32 Uhr

Lack reinigen und Konservieren

Die Erhaltung und Konservierung von originalem Lack sollte stets erste Wahl bei der Aufarbeitung eines Fahrrades und seiner Einzelteile sein. Zu den bei DDR-Fahrrädern und deren Komponenten verwendeten Lacke und deren spezifischer Behandlung findet sich hier ein umfassender Überblick.

Reinigung

Die Reinigung alter Lacke sollte stets mit dem mildesten Reinigungsmittel begonnen werden! Je nach Verschmutzungsgrad können dann Schritt für Schritt agressivere Reiniger verwendet werden!

Große Teile wie Rahmen, Gabel, Schutzbleche und Felgen bei grobem, sandigen Schmutz und öligen/fettigen Verschmutzungen zunächst mit warmen Fit-Wasser und einem weichen Schwamm abwaschen. Niemals die grobe Seite von Topfschwämmen etc. verwenden! Keine scharfen Laugen verwenden! Teile anschließend gut trocknen!

Verschmutzungen wie Farbspritzer, Öl/Fett, Teer etc., die auf diese Weise nicht gelöst und entfernt wurden, müssen zumeist mit chemischen Lösungsmitteln beseitigt werden. Dabei mit dem "schwächsten" Lösungsmittel beginnen: Petroleum. Dieses greift im allgemeinen keinen Lack an. Terpentinersatz beseitigt stärkere Verschmutzungen, löst aber bereits manche Lacke an. Aceton ist ein äußerst starkes Lösungsmittel und sollte besonders vorsichtig verwendet werden. Es löst etliche Lacke und auch Kunststoffe an! Eingebrannte (schwarze) Lacke ohne Klarlack sind jedoch zumeist acetonresistent.

Alle Lösungsmittel vor Gebrauch immer an einer unsichtbaren Stelle am Lack testen. Dekore (Linierungen, Abziehbilder) nicht mit chemischen Lösungsmitteln in Verbindung bringen!

Politur und Konservierung

Matte und verwitterte Lackierungen werden mit einer Politur, in hartnäckigen Fällen auch mit einem Lackreiniger aufgefrischt. Auch hierbei gilt: Zunächst mit dem mildesten Mittel (ohne Schleifpartikel) beginnen. Polituren und Lackreiniger behutsam, ohne großen Druck auftragen. Auch hier ggf. vorher an unauffälliger Stelle testen. Nach der Verwendung von Lackreinigern den Lack immer mit Politur oder Wachs versiegeln.

Bei gut erhaltenen Lacken reicht oft bereits eine Reinigung und Konservierung mit Wachs (Autowachs), mit der sich ein hoher Glanzgrad erzielen lässt.

Für farbige Lacke bietet der Handel eingefärbte Polituren, die leichte Kratzer kaschieren sollen. Für schwarzen Lack lässt sich ein ähnliches Präparat leicht und preiswert selbst herstellen: Autowachs wird mit etwas schwarzem Abtönkonzentrat gut vermischt und lackierte Teile damit wie üblich versiegelt.

Dekore (Linierungen, Abziehbilder) nur mit nicht abrasiven Polituren und Wachsen vorsichtig reinigen und Konservieren!

Abziehbilder konservieren

Abziehbilder und Rahmen-Dekore zeigen sich dem Fahrradsammler oft im Zustand der Zersetzung, sind rissig oder blättern ab. Viele als Siebdruck ausgeführte Dekore, v. a. bei DDR-Fahrrädern aus den 1960er und 1970er Jahren, zerbröseln durch Umwelteinflüsse regelrecht. Im Zuge einer Aufarbeitung alter Fahrräder sollten origiale Dekore jedoch so weit wie möglich erhalten werden. Die noch vorhandenen Teile und evtl. lose Partikel müssen daher schonend und dauerhaft fixiert werden. Dazu hat sich farbloser Putzverfestiger/Tiefengrund bewährt, der im Baumarkt oder Malerfachgeschäft erhältlich ist. Dieser Verfestiger besteht aus einem Kunststoff, der in Wasser gelöst ist und nach dem Trocknen losen Untergrund bzw. Partikel dauerhaft fixiert. Die wässrige Lösung dringt in feinste Ritze und wirkt so auch unter bereits angelösten Partikeln der Dekore. ! Achtung: Nur Putzverfestiger ohne chemische lösemittel verwenden !

Das Dekor zunächst vorsichtig reinigen, ggf. nur mit einem feuchten Schwamm o. ä. abtupfen. Dann mit einem sehr weichen Schulmalpinsel in mehreren Durchgängen den Putzverfestiger vorsichtig auftragen. Zwischendurch immer wieder (an-)trocknen lassen (ggf. einen Fön verwenden). Nicht zu viel Putzverfestiger auf einmal auftragen - entstehende Tropfen auf dem Dekor mit Küchenkrepp aufnehmen. Überschüssigen Putzverfestiger, der über das zu behandelnde Dekor hinausläuft, sofort mit einem feuchten Lappen entfernen! Getrockneter Verfestiger ist nur sehr schwer zu entfernen!

Nach der Behandlung entsteht eine stabile Oberfläche mit einem Seidenglanz, der der Optik der alten Dekore gleicht. Da der Verfestiger keine chemischen Lösungsmittel beinhaltet, werden Farben und Material der Dekore nicht angegriffen. Die Oberfläche ist griffest und sollte wie auch die restliche Lackoberfläche des Fahrrades abschließend mit Wachs o.ä. versiegelt werden.

Gummi reinigen und pflegen

Verschmutzte Fahrradkomponenten aus Gummi wie Pedalgummis, Lenkergriffe, Felgenbänder und Reifen, werden mit einer Bürste und Fit-Wasser, bei starken Verschmutzungen auch mit einer Lauge aus Vollwaschmittel gesäubert. Heißes Wasser unterstützt wie immer die Reinigungswirkung. Nach Reinigung und Trocknung die Gummiteile mit Talkum pudern oder dünn mit Glycerin oder Silikon-Öl einreiben. Der Handel bietet auch spezielles Gummi-Pflegespray, das Silikon enthält und für die Gummipflege sehr geeignet ist.

Cremefarbene Reifen werden mit Scheuermilch gereinigt und könenn so wieder etwas aufgehellt werden. Reifen nach der Reinigung stets von innen mit Talkum behandeln, außen dünn mit Glycerin oder Silikon-Öl einreiben oder mit einem Pflegespray behandeln - sie werden so gleichzeitig auch farblich aufgefrischt.

Über die Regenerierung von hartem und sprödem Gummi gibt es zahlreiche, oft widersprüchliche Ansichten. So soll hartes Gummi mit Weichspüler (vorerst) wieder geschmeidig gemacht werden können. Grundsätzlich kann aber einmal verflüchtigter Weichmacher im Gummi nicht wieder ersetzt werden.

Verchromte/vernickelte Teile reinigen

Grundsätzlich bestehen bei verchromten/vernickelten Fahrradteilen folgende Möglichkeiten der Oberflächenbehandlung:

  • - Auch stärkeren Rost, größtenteils oder gänzlich verrostete Teile so belassen, losen Rost ggf. entfernen und vorsichtig mechanisch glätten, mit Öl konservieren.
  • - Rost entfernen, auch bei größeren Flächen, und das blanke Metall durch Polieren optisch an (angrenzenden) Chrom/Nickel anpassen.

Welche Herangehensweise die passende ist, hängt immer vom Ausgangszustand und von der gewünschten Optik ab. Insgesamt sollte beim Fahrrad ein stimmiger Gesamteindruck entstehen.

Bei Flugrost und leichten Rostpickeln empfiehlt sich die Entfernung mit feinster Stahlwolle (Größe 00), mit der ein völlig materialschonender Rost- und Schmutzabtrag möglich ist. Bei nur leichtem Flugrost ist eine kombinierte chemisch und mechanisch wirkende Reinigung ggf. ausreichend (Elsterglanz o.ä.). Matt gewordener Nickel bekommt mit Spezialpolituren wie Nevr Dull-Polierwatte sehr schonend wieder seinen Glanz zurück. Die gereinigten Teile mit einem Ölüberzug schützen.

Bei stärkerem, flächigem Rost: Nicht mit Säurebädern (Essig, Zitronensäure o.ä.) arbeiten! Damit wird zumeist auch noch fester Chrom unterwandert und abgelöst!
Zur schonenenden Entrostung bietet der Handel Rostentferner in Gelform oder mit Sägespänen als Träger, die zum einen gut haften (keine Bäder mit Flüssigkeit erforderlich) und zu anderen nur den Rost lösen, (noch) festen Chrom aber nicht unterwandern oder gar ablösen. Nach der Behandlung gemäß der Anleitung des Rostentferners die nun matten, zumeist leicht grauen ungeschützten Oberflächen mit feinster Stahlwolle vorsichtig aufpolieren und dann mit Öl vor neuer Oxidation schützen.

Bei blasigen Chromteilen, also Rost unter grundsätzlich fest haftendem Chrom mit nur leichten Ausblühungen, empfiehlt sich eine behutsame Reinigung und Schutz mit Öl. Der Versuch einer Rostentfernung würde hier, da der Chrom zumeist nur noch "aus Gewohnheit" hält, mehr zerstören als optisch verbessern.

Alumimiumteile reinigen und polieren

Auch bei Aluminiumteilen gibt es zwei grundsätzliche Herangehensweisen:

  • -Nur reinigen.
  • -Polieren, ggf. vorher Dellen entfernen.

Reinigung ohne Glanz

Oberfläche mit Fit-Wasser und ggf. mit chemischen Lösungsmitteln reinigen. Es bleibt eine optisch unveränderte Oberfläche, bei alten Teilen zumeist matt, bei jüngeren oder zusätzlich eloxierten Teilen mit entsprechendem Glanz. Aluminium nicht mit Laugen (Waschmittel o.ä.) reinigen. Stärkere Laugen reagieren mit Aluminium unter Wasserstoffbildung und greifen die Oberfläche an!

Glänzend Polieren

Neben der oben beschriebenen sehr schonenden Reinigungsvariante, die die Spuren der Zeit belässt, kann Aluminium nach der Reinigung auch poliert und ggf. vorher ausgedellt und geschliffen werden. Das bietet sich bei starker Oxidation (Ausblühungen), bei tiefen Kratzern und Riefen wie auch bei stark zerdellten Blechen an.

Zur Politur hat sich der Einsatz von Polierscheiben (Sisal, diverse Schwabbelscheiben) mit dazugehörigen Polirmitteln bewährt. So können (hoch)glänzende Oberflächen geschaffen werden, die dem Originalzustand von Fahrrad-Aluminiumteilen entsprechen - bis in die 1980er Jahre waren beinahe alle Aluminiumkomponenten (Felgen, Schutzbleche, Bremsen, Bremshebel, Lenker, Vorbauten, Beleuchtungskomponenten usf.) ab Werk hochglänzend poliert (jedoch kein Spiegelglanz). Durch eine Versiegelung kann der Hochglanz dauerhaft erhalten werden. Ohne weitere Behandlung ermattet poliertes Aluminium mit der Zeit - die dann entstehende "seidenglänzende" Oberfläche passt optisch auch zu stärker gebrauchten Fahrrädern (siehe z.B. [[1]]. Alternativ dazu kann die Politur in einem solchen Falle auch schwächer ausfallen (nur Sisal und eine mittelfeine Schwabbelscheibe).

Anstelle der mechanischen ist auch eine chemische Politur möglich, die bei nur geringer Oxidation und insgesamt wenig angegriffenen Oberflächen oftmals bereits genügt. Auch hier sind Spezialpolituren wie Elsterglanz oder Nevr Dull-Polierwatte geeignet.