Diamant Modell 35 706: Unterschied zwischen den Versionen

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Danach fanden kaum noch Weiterentwicklungen statt und diese Modellnummern wurden bis 1990 beibehalten.  
 
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Unklar ist noch, ab wann die mit Gangschaltungen ausgestatteten Rennräder Schnellspannverschlüsse an den Achsen besaßen. Ebenso unklar ist, wann der Wechsel von den [[Bremsen|Seitenzugfelgenbremsen]] (von [[Alda]]) zu den Mittelzugfelgenbremsen (von [[Rasant]]) erfolgte. Weitere Veränderungen in den Sechziger Jahren betrafen zum einen den Wegfall der [[Datierung Diamant Fahrräder|Steuerkopfschilder]] ab 1964. Die bisherigen Aluminiumschilder wurden durch Wasserschiebebilder ersetzt. Zudem veränderte man das Lackierungsschema: ab sofort besaßen die Rennräder (wie auch alle anderen Fahrräder von Diamant) eine Zweifarblackierung. Dabei war der Bereich des Steuerkopfes weiß, der übrige Rahmen hingegen farbig lackiert. Neu war auch das Rahmendekor, das schon kurze Zeit später (Anfang 1966) erneut geändert wurde. Anfang bis Mitte der 1960er-Jahre wurden einige Rennräder auch mit einem neuentwickelten [[Steuersatz]] versehen, den Diamant selbst produzierte.  
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Der Rahmen des Modells 35 706 bestand aus leichten Chrommolybdän-Stahlrohren und war in vier verschiedenen [[Rahmenhöhe|Rahmenhöhen]] lieferbar (52, 55, 58 oder 61 cm). Entsprechend der jeweiligen Rahmenhöhe wurde unter dem [[Tretlager]] ein Kennbuchstabe eingeschlagen. Die Rahmen besaßen viele zusätzliche [[Anlötteile]], etwa Zugführungen für die hintere [[Bremsen|Felgenbremse]] und für die [[Gangschaltungen|Kettenschaltung]] sowie Sockel für die [[Gangschaltungen|Schalthebel]]. An der linken Sitzstrebe war zudem ein Winkel angelötet, der zur Befestigung des Rücklichts bzw. des Reflektors diente.  
  
Ab etwa 1967 entfielen auch die Schalthebelsockel am Unterrohr. Fortan mussten die [[Gangschaltungen|Schalthebel]] an einer Schelle befestigt werden. Dies geschah vermutlich im Zusammenhang mit dem Wechsel auf die tschechische [[Favorit]]-Schaltung. Ebenfalls während der Sechziger Jahre änderte sich die Form der [[Bremsen|Bremshebel]] und der [[Pedale]].  
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Die Ausstattung ähnelte weitgehend der des bisherigen Modells 35 702. Viele Anbauteile bestanden aus Aluminium (z.B. [[Lenker]], [[Vorbauten|Vorbau]], [[Pedale]] und [[Naben]]. Das Modell 35 707 besaß grundsätzlich [[Felgen|Leichtmetallfelgen]] (27") für [[Reifen|Schlauchreifen]] sowie ein [[Tretlager|Keiltretlager]] mit hohlgebohrter Welle. Ab Werk waren die Rennräder straßentauglich, d.h. mit [[Schutzbleche|Schutzblechen]], einer [[Fahrradklingeln|Klingel]] sowie einer Beleuchtungsanlage (vorn in Form eines [[FER Scheinwerfer|Dynamoscheinwerfers]]) ausgerüstet. Überwiegend wurde die “Straßenausstattung“ jedoch abgebaut.
  
In der folgenden Zeit änderten sich bei den Rennrädern lediglich Farbgebung und Rahmendekor (ca. 1979, Rahmendekor ca. 1986 erneut geändert), technisch blieb alles beim Alten. Insbesondere die Rahmengeometrie mit ihrem langen Hinterbau war inzwischen nicht mehr zeitgemäß, ebenso [[Tretlager]] und Antriebseinheit. Andere Hersteller verwendeten um 1980 bereits fast ausschließlich keillose Tretlager und [[Tretkurbeln]] bzw. [[Kettenblätter]] aus Aluminium. Bei Diamant wurden die herkömmlichen Keiltretlager und Antriebe aus Stahl noch bis 1990 beibehalten. Generell ließ die Qualität der Anbauteile während der Achtziger Jahre nach. Ende der Achtziger Jahre wurden für die Rennräder auch [[Felgen]] vom französischen Hersteller Mavic importiert.  
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Die [[Gangschaltungen|Kettenschaltung]] sowie die [[Schalthebel]] stammten anfangs noch von [[Renak]], die [[Bremsen]] kamen zunächst von [[Alda]]. Bei den Bremsen handelte es sich anfangs um Seitenzugfelgenbremsen, die denen der [[Diamant Sportrad-Modelle|Sporträder]] sehr ähnlich waren, jedoch zusätzlich über Seilzugentlaster verfügten. Diese ermöglichten einen schnelleren Radwechsel. Die Pedale (mit Haken und Lederriemen) stammten von [[Infesto]], die [[Vorbauten]] und [[Felgen]] von [[Grünert]]. Die [[Lenker|Rennlenker]] gab es in den Breiten 38 cm, 40 cm und 42 cm. Noch bis mindestens Ende 1962 waren die Lenker mit "Diamant Modell 167" geprägt, obwohl sich die Modellbezeichnung mittlerweile geändert hatte. Ein [[Sättel|Leder-Rennsattel]] vom [[Möve|VEB Möve-Werk Mühlhausen]] sowie eine lange Aluminium-[[Luftpumpen|Luftpumpe]] rundeten die Ausstattung ab.
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Veränderungen in den Sechziger Jahren betrafen zum einen Details der Ausstattung. So wurden etwa die Seitenzugfelgenbremsen durch Mittelzugfelgenbremsen ersetzt. Außerdem besaß das Modell 35 706 spätestens seit 1965 serienmäßig Schnellspannverschlüsse an den Achsen. Bisher wurden die Laufräder noch mit [[Flügelmuttern]] befestigt. Anfang bis Mitte der 1960er Jahre wurden einige Rennräder auch mit einem neuentwickelten [[Steuersatz]] versehen, den Diamant selbst fertigte.<br>Änderungen am Rahmen betrafen den Wegfall der [[Datierung Diamant Fahrräder#Datierung mit Hilfe des Steuerkopfschildes|Steuerkopfschilder]] ab 1964. Die bisherigen Aluminiumschilder wurden durch Wasserschiebebilder ersetzt. Ab etwa 1967 entfielen auch die Schalthebelsockel am Unterrohr. Fortan mussten die [[Gangschaltung|Schalthebel]] an einer Schelle befestigt werden. Dies geschah vermutlich im Zusammenhang mit dem Wechsel auf die tschechische [[Favorit]]-Schaltung, nachdem die Produktion von Schaltwerken bei [[Renak]] eingestellt wurde.
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In der folgenden Zeit änderten sich bei den Rennrädern lediglich Details der Ausstattung (u.a. [[Pedale]] und [[Bremsen|Brenmshebel]]), technisch blieb alles beim Alten. Insbesondere die Rahmengeometrie mit ihrem langen Hinterbau war inzwischen nicht mehr zeitgemäß, ebenso [[Tretlager]] und Antriebseinheit. Andere Hersteller verwendeten um 1980 bereits fast ausschließlich keillose Tretlager und [[Tretkurbeln]] bzw. [[Kettenblätter]] aus Aluminium. Bei Diamant wurden die herkömmlichen Keiltretlager und Antriebe aus Stahl noch bis 1990 beibehalten. Generell ließ die Qualität der Anbauteile während der 80er Jahre nach. Ende der 80er Jahre wurden für die Rennräder auch [[Felgen]] vom französischen Hersteller Mavic importiert.
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Die Rahmen besaßen anfangs noch eine Metalleffektlackierung und ein [[Datierung Diamant Fahrräder|Steuerkopfschild]] aus Aluminium. Das Rahmendekor mit den "Weltmeisterringen" am Sattelrohr, Unterrohr und an der Vorderradgabel glich dem des Modells 35 703. 1964 wurden die Rennräder optisch überarbeitet und nunmehr zweifarbig lackiert. Dabei war der Bereich des Steuerkopfes weiß, der übrige Rahmen hingegen farbig lackiert (wiederum Metallic-Lackierung). Neu war auch das Rahmendekor, das schon kurze Zeit später (Anfang 1966) erneut geändert wurde. In diesem Erscheinungsbild wurden die Rennräder bis Ende der 1970er Jahre ausgeliefert. Seit 1979 waren die Rahmen wieder einfarbig lackiert, das Dekor änderte sich erneut. Ab 1986 verwendete man wiederum neue Rahmenaufkleber (chromfarben bzw. transparent). In geringem Umfang wurden die Rennräder Ende der 1980er Jahre auch zweifarbig lackiert. Details zu den bei Diamant verwendeten Rahmendekoren sind [[Datierung Diamant Fahrräder#Datierung mit Hilfe des Rahmendekors|hier]] zu finden.
  
  

Version vom 12. August 2011, 20:27 Uhr

Im Zuge der Neuordnung der DDR-Fahrradindustrie wurde Renak mit der Entwicklung eines Fünffach-Schaltwerks beauftragt, um von Importen unabhängig zu werden und den Radsportlern der DDR die zu diesem Zeitpunkt international übliche 10-Gangschaltung aus volkseigener Produktion bieten zu können. Nachdem Renak diese Entwicklung abgeschlossen hatte und Ende 1960 mit der Serienproduktion der neuen Kettenschaltung begann, folgte zur Saison 1961 eine erneute Umbenennung der Diamant-Rennräder. Die Modellnummern ab 1961 lauteten wie folgt:

   * Diamant Modell 35 705 - Straßen-Rennrad ohne Gangschaltung (bisher Modell 35 701)
   * Diamant Modell 35 706 - Straßen-Rennrad mit Fünfgang-Kettenschaltung (bisher Modell 35 702)
   * Diamant Modell 35 707 - Straßen-Rennrad mit Zehngang-Kettenschaltung (bisher Modell 35 703)

Danach fanden kaum noch Weiterentwicklungen statt und diese Modellnummern wurden bis 1990 beibehalten.

Der Rahmen des Modells 35 706 bestand aus leichten Chrommolybdän-Stahlrohren und war in vier verschiedenen Rahmenhöhen lieferbar (52, 55, 58 oder 61 cm). Entsprechend der jeweiligen Rahmenhöhe wurde unter dem Tretlager ein Kennbuchstabe eingeschlagen. Die Rahmen besaßen viele zusätzliche Anlötteile, etwa Zugführungen für die hintere Felgenbremse und für die Kettenschaltung sowie Sockel für die Schalthebel. An der linken Sitzstrebe war zudem ein Winkel angelötet, der zur Befestigung des Rücklichts bzw. des Reflektors diente.

Die Ausstattung ähnelte weitgehend der des bisherigen Modells 35 702. Viele Anbauteile bestanden aus Aluminium (z.B. Lenker, Vorbau, Pedale und Naben. Das Modell 35 707 besaß grundsätzlich Leichtmetallfelgen (27") für Schlauchreifen sowie ein Keiltretlager mit hohlgebohrter Welle. Ab Werk waren die Rennräder straßentauglich, d.h. mit Schutzblechen, einer Klingel sowie einer Beleuchtungsanlage (vorn in Form eines Dynamoscheinwerfers) ausgerüstet. Überwiegend wurde die “Straßenausstattung“ jedoch abgebaut.

Die Kettenschaltung sowie die Schalthebel stammten anfangs noch von Renak, die Bremsen kamen zunächst von Alda. Bei den Bremsen handelte es sich anfangs um Seitenzugfelgenbremsen, die denen der Sporträder sehr ähnlich waren, jedoch zusätzlich über Seilzugentlaster verfügten. Diese ermöglichten einen schnelleren Radwechsel. Die Pedale (mit Haken und Lederriemen) stammten von Infesto, die Vorbauten und Felgen von Grünert. Die Rennlenker gab es in den Breiten 38 cm, 40 cm und 42 cm. Noch bis mindestens Ende 1962 waren die Lenker mit "Diamant Modell 167" geprägt, obwohl sich die Modellbezeichnung mittlerweile geändert hatte. Ein Leder-Rennsattel vom VEB Möve-Werk Mühlhausen sowie eine lange Aluminium-Luftpumpe rundeten die Ausstattung ab.

Veränderungen in den Sechziger Jahren betrafen zum einen Details der Ausstattung. So wurden etwa die Seitenzugfelgenbremsen durch Mittelzugfelgenbremsen ersetzt. Außerdem besaß das Modell 35 706 spätestens seit 1965 serienmäßig Schnellspannverschlüsse an den Achsen. Bisher wurden die Laufräder noch mit Flügelmuttern befestigt. Anfang bis Mitte der 1960er Jahre wurden einige Rennräder auch mit einem neuentwickelten Steuersatz versehen, den Diamant selbst fertigte.
Änderungen am Rahmen betrafen den Wegfall der Steuerkopfschilder ab 1964. Die bisherigen Aluminiumschilder wurden durch Wasserschiebebilder ersetzt. Ab etwa 1967 entfielen auch die Schalthebelsockel am Unterrohr. Fortan mussten die Schalthebel an einer Schelle befestigt werden. Dies geschah vermutlich im Zusammenhang mit dem Wechsel auf die tschechische Favorit-Schaltung, nachdem die Produktion von Schaltwerken bei Renak eingestellt wurde.

In der folgenden Zeit änderten sich bei den Rennrädern lediglich Details der Ausstattung (u.a. Pedale und Brenmshebel), technisch blieb alles beim Alten. Insbesondere die Rahmengeometrie mit ihrem langen Hinterbau war inzwischen nicht mehr zeitgemäß, ebenso Tretlager und Antriebseinheit. Andere Hersteller verwendeten um 1980 bereits fast ausschließlich keillose Tretlager und Tretkurbeln bzw. Kettenblätter aus Aluminium. Bei Diamant wurden die herkömmlichen Keiltretlager und Antriebe aus Stahl noch bis 1990 beibehalten. Generell ließ die Qualität der Anbauteile während der 80er Jahre nach. Ende der 80er Jahre wurden für die Rennräder auch Felgen vom französischen Hersteller Mavic importiert.

Die Rahmen besaßen anfangs noch eine Metalleffektlackierung und ein Steuerkopfschild aus Aluminium. Das Rahmendekor mit den "Weltmeisterringen" am Sattelrohr, Unterrohr und an der Vorderradgabel glich dem des Modells 35 703. 1964 wurden die Rennräder optisch überarbeitet und nunmehr zweifarbig lackiert. Dabei war der Bereich des Steuerkopfes weiß, der übrige Rahmen hingegen farbig lackiert (wiederum Metallic-Lackierung). Neu war auch das Rahmendekor, das schon kurze Zeit später (Anfang 1966) erneut geändert wurde. In diesem Erscheinungsbild wurden die Rennräder bis Ende der 1970er Jahre ausgeliefert. Seit 1979 waren die Rahmen wieder einfarbig lackiert, das Dekor änderte sich erneut. Ab 1986 verwendete man wiederum neue Rahmenaufkleber (chromfarben bzw. transparent). In geringem Umfang wurden die Rennräder Ende der 1980er Jahre auch zweifarbig lackiert. Details zu den bei Diamant verwendeten Rahmendekoren sind hier zu finden.


  • Technische Merkmale
 - Rahmen aus Chrommolybdän-Stahlrohr mit Außenmuffen, Rahmenhöhe 52, 55, 58 oder 61 cm
 - gerader Hinterbau, vertikale Ausfallenden 
 - Halterung für Rücklicht bzw. Reflektor am Hinterbau angelötet 
 - angelötete Zugführungsösen für Schaltungsbowdenzug, Sockel für Schalthebel am Unterrohr angelötet (bis ca. 1966/67)
 - Keiltretlager BSA-Ausführung mit hohlgebohrter Welle, Kettenblatt mit 50 Zähnen
 - polierte Aluminiumfelgen 27" für Schlauchreifen, Schnellspannverschlüsse
 - Schlauchreifen 27"
 - vorn und hinten Seiten- bzw. Mittelzugfelgenbremsen 
 - Fünffach-Leerlaufzahnkranz mit 24/20/18/16/13 Zähnen
 - Leichtmetall-Rennlenker mit Leichtmetall-Vorbau
 - polierte Aluminiumschutzbleche
 - Zubehör: Aluminium-Luftpumpe, Werkzeugtasche, Dynamoscheinwerfer, Rücklicht