Tretlager

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Die Bezeichnung Tretlager wird teilweise auch als Synonym für das Getriebe, also die Einheit aus Kettenblatt, Kurbeln und dem eigentlichen Tretlager (Innenlager) verwendet.
Dieser Artikel beschäftigt sich jedoch mit dem Tretlager bzw. Innenlager als Einzelteil.


In der DDR wurden Fahrräder mit Glockentretlagern oder Keiltretlagern ausgestattet. Handelte es sich bei den Keiltretlagern in den 1950er und 1960er Jahren fast ausschließlich um solche in BSA-Ausführung, so wurden in den 1970 und 1980er Jahren zunehmend Keiltretlager in Thompson-Ausführung verwendet. Diese Konstruktionen behielt man bei den handelsüblichen Fahrrädern bis 1990 bei, während die Hersteller anderer Länder längst moderne Vierkant-Tretlager nach ISO- oder JIS-Norm bevorzugten, die leichter zu montieren und haltbarer waren. Keil- und Glockentretlager wurden in der DDR im Laufe der Jahre mit verschiedenen Formen von Kettenblättern ausgestattet.

Keiltretlager

Keiltretlager haben ihre Bezeichnung durch die Kurbelkeile erhalten, mit denen die Tretkurbeln auf der Tretlagerwelle befestigt werden. Es gibt Keiltretlager mit geschraubten (BSA-Ausführung) oder gesteckten Lagerschalen (Thompson-Ausführung).

Keiltretlager in BSA-Ausführung

BSA-Keiltretlager
Von oben nach unten: Welle, linke Lagerschale, rechte Lagerschale, Kugelring, Konterring, Kurbelkeil

Tretlager dieser Bauweise besitzen eine Welle mit angedrehten Konen sowie Lagerschalen, die ins Tretlagergehäuse eingeschraubt werden. Das Gehäuse besitzt daher innen ein nach der Lackierung des Rahmens eingeschnittenes Gewinde. Charakteristisch ist zudem der Konterring, der auf die linke Lagerschale geschraubt wird. Mit der linken Lagerschale und dem Konterring kann dieses Tretlager leicht eingestellt werden. Die rechte Lagerschale hingegen wird bis zum Anschlag in das Tretlagergehäuse eingeschraubt.

Keiltretlager in BSA-Ausführung sind eine relativ aufwändige, hochwertige Konstruktion. Sie wurden lange Zeit hauptsächlich bei Rennrädern, Sporträdern, Tourensporträdern sowie Tourenrädern in "englischer Ausführung" verwendet. In den 1970er Jahren wurden sie schrittweise durch die einfacheren Thompson-Tretlager ersetzt. Dies geschah zunächst ab etwa 1972/73 bei den Tourensporträdern von Mifa, ab 1976 dann auch bei den Mifa-Sporträdern und den Tourensporträdern von Diamant. Seitdem wurden nur noch Rennräder (und später auch Rennsporträder) von Diamant mit Tretlagern in BSA-Ausführung ausgestattet. Zu dieser Zeit wurden auch Keiltretlager vom westdeutschen Hersteller Thun importiert. Hersteller der Keiltretlager war in der DDR zunächst FZTW, ab 1958 der VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Ernst Thälmann Suhl.


Keiltretlager in Thompson-Ausführung

Vollständiges Thompson-Keiltretlager
Von links nach rechts auf der Welle: Kontermutter, Sicherungsscheibe, Staubdeckel, Einstellkonus, Kugelring, linke Einschlagschale, rechte Einschlagschale, Kugelring, feststehender Konus

Tretlager dieser Bauweise besitzen eine Tretlagerwelle mit aufschraubbaren Konen sowie einen Staubdeckel aus Metall oder Kunststoff, der die linke Lagerschale vor Staub und Nässe schützt. Die Lagerschalen sind gesteckt, d.h. sie müssen in das Tretlagergehäuse eingeschlagen werden. Die Einstellung des Tretlagers erfolgt über den linken Konus sowie den Konterring. Ein Vorteil der Thompson-Ausführung ist, dass die Achse bereits nach Lösen eines Pedalarms entnommen werden kann. Ein erheblicher Nachteil ist hingegen, dass die Lager schlecht vor Feuchtigkeit und Staub geschützt sind. Da diese Lager ab den 1980er Jahren teilweise nur mangelhaft ab Werk gefettet wurden, ergab sich insgesamt eine stark verringerte Haltbarkeit im Vergleich zu den Tretlagern in BSA-Ausführung. Dazu kam eine mangelhafte Material- und Verarbeitungsqualität der Achsen, Konen, Keile, und Kugelkäfige. Aus den 1980er Jahren kann man noch heute augenscheinlich wenig genutzte Fahrräder finden, die bereits erheblich verschlissene Tretlager aufweisen.

Keiltretlager in Thompson-Ausführung wurden lange Zeit hauptsächlich für Jugendfahrräder von Mifa und Möve verwendet. Die Klappräder von Mifa besaßen ebenfalls ein solches Tretlager. In den 1970er und 1980er Jahren wurden auch Tourensport- und Sporträder damit ausgestattet.


Glockentretlager

Vollständiges Glockentretlager
Von links nach rechts: Kurbelmutter, Kugelring, rechte Einschlagschale, Ölerhülse, linke Einschlagschale, Kugelring, Einstellkonus, Sicherungsscheibe, Sicherungsmutter, Kurbelmutter.Darunter ist die Tretlagerwelle mit dem feststehenden Konus abgebildet.

Glockentretlager sind äußerlich an den Metallhalbschalen der Tretkurbeln zu erkennen, die das Tretlagergehäuse abdecken. Die Tretkurbeln werden auf den Vierkant gepresst und mit Hilfe von speziellen Muttern gesichert. Auch hier sind die Lagerschalen ins Tretlagergehäuse eingeschlagen. Charakteristisch sind ferner der feststehende rechte Konus, die um die Welle liegende Ölerhülse und ein Öl- bzw Abschmiernippel. Glockentretlager wurden bis 1955 von Fichtel & Sachs und bis 1958 von FZTW, ab 1955 ausschließlich von RENAK produziert. Glockentretlager lassen sich für Reparatur und Wartung nur mit hohem Aufwand demontieren. Eine nachträgliche Schmierung erfolgte in der Regel über einen Öler im Tretlagergehäuse.

Die Tourenräder von Diamant, Mifa, Möve und Simson wurden beinahe ausschließlich mit Glockentretlagern ausgestattet. Daneben wurden auch Kinderräder sowie einige Klappräder und Tourensporträder von Mifa mit diesem Tretlager ausgerüstet. Zudem wurden in den 1970er und 1980er Jahren auch einige Räder, die regulär ein Thompson-Tretlager besaßen, mit Glockentretlagern versehen. Dies war möglich, da für beide Systeme die gleichen Einschlag-Lagerschalen genutzt wurden.