Sättel

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In der DDR wurden Fahrradsättel mit Leder-, Kunstleder-, Gummi- und PUR-Satteldecken hergestellt. Passend dazu wurden Werkzeugtaschen für Rahmen- und Sattelmontage angeboten. Herren- und Damensättel unterschieden sich durch ihre Länge (Damensättel wenige cm kürzer); es wurden jedoch auch Unisex-Sättel hergestellt. Zum Schutz vor Abnutzung und für bequemeres Sitzen waren Schutzbezüge für Satteldecken erhältlich.

Größter Anbieter von Fahrradsätteln war zunächst die VVB Leder- und Lederwarenfabrik Mühlhausen/Thür. ("LLM"), die ab 1955 dann als VEB Lederwarenfabrik Mühlhausen Th. ("LM") weiterproduziert wurden. Der Großteil der Fahrradsättel kam ab 1956 vom VEB Möve (Mühlhausen/Th.), der ab etwa 1971 Alleinhersteller für Fahrradsättel in der DDR war. In den 1940er und früheb 1950er Jahren war die Erzgebirgische Lederwaren-Industrie Augustusburg ein weiterer, jedoch deutlich kleinerer Sattelproduzent, dessen Sättel mit "Burgsattel" gekennzeichnet wurden. Auch die Mühlhausener Sattelfabrik Stephan produzierte bis mindestens Ende der 1940er Jahre Sättel.

Sattelschilder an "Simson"-Sätteln. Material (v. o. n. u.): Messing, Kunststoff, Messing(?), Aluminium, Kunststoff.
Diejenigen Hersteller von Fahrradsätteln, die nur leder- und gummiverarbeitende Betriebe waren (etwa der VEB Lederwarenfabrik Mühlhausen), bezogen die erforderlichen Sattelgestelle offenbar von Zulieferern (bekannt ist hier bislang die Firma Metallwarenfabrik Strehla Franz Burkert). Hauptsächlich metallverarbeitende Betriebe (wie etwa der VEB Möve-Werk Mühlhausen) bezogen hingegen die verwendeten Satteldecken in der Regel ebenfalls von Zulieferern (VEB Lederwarenfabrik Mühlhausen, VEB Leder- und Plastverarbeitungswerke Dresden).

An Simson-Fahrrädern wurden ausschließlich Sättel verbaut, die mit Simson gekennzeichnet waren; Ledersättel waren an den Flanken entspechend geprägt. Alle "Simson"-Sättel besaßen zudem eine Marken-Plakette auf der Rückseite. Diese Sättel wurden jedoch nicht von Simson selbst hergestellt; der tatsächliche Hersteller ist noch nicht bekannt.
Zur genauen zeitlichen Einordung der Sättel können die verwendeten Marken-Plaketten zu Rate gezogen werden - hier zeigt sich bislang folgendes Verwendungsmuster:

  • Messing, Alu, Kunststoff (russ. beschrift.): Tourensättel von 1948-1952. Die russisch beschrifteten Schilder vrmtl. nur an Rädern, die in die Sowjetunion geliefert wurden.
  • Kunststoff ("Simson"): Tourensättel (mit Kunstleder- und Kernlederdecke), Regulierfedersättel (mit Kunstleder- und Kernlederdecke) und Sportsättel von 1952-1957

Hersteller vollständige Sättel und Satteldecken

Unter anderem:

Hersteller Sattelgestelle und deren Teile

Gefederte Sättel

Mit Lederdecke

Sättel aus Leder und mit Federung wurden in den 50er Jahren vor allem von LLM, ab 1955 von LM gefertigt. Es gab sie in einer Damen- und Herrenvariante sowohl mit schwarz lackiertem als auch auch mit verchromtem Gestell. Die Herrensättel hatten eine Länge von ca. 27 cm, Damensättel waren 2-3 cm kürzer. Ein Merkmal dieser Sättel ist, dass Sattelkloben generell nicht geprägt waren. Die Satteldecken waren mit dem Logo des Herstellers gepunzt. Diese Punzierung änderte sich mit der Umbenennung 1955, wobei der Übergang scheinbar fließend war. LM-Sättel mit Herstellerprägung gab es noch bis einschließlich 1957, danach entfiel die Prägung. Die Decken gefederter Sättel waren ausnahmslos braun lackiert, wobei der Braunton über die Jahre variierte. Es gab auch separate Leder-Ersatzdecken zu kaufen. Ab den 1970er Jahren produzierte auch Möve Tourenradsättel mit Lederdecke. Die Decken waren ungeprägt, die Gestelle verzinkt und hatten kleinere Druckfedern. Diese Sättel wurden bis Ende der 1980er Jahre hergestellt und waren auch als Ersatzteil erhältlich.




Mit Kunstlederdecke

Kunstledersättel gab es bereits vor 1945. Auch an frühen DDR-Fahrrädern wurden ab Werk vereinzelt Kunstledersättel verbaut, stellten aber eher eine Ausnahme dar. Ab spätestens 1958 wurden vorerst alle Tourenräder der DDR nur noch mit Kunstledersätteln des VEB Möve-Werkes ausgestattet. Diese hatten nun, wie bei Möve üblich, geprägte Sattelkloben. Auch hier waren die Gestelle entweder schwarz lackiert oder verchromt. Es gab Sättel in verschiedenen Brauntönen, grau und schwarz (recht selten) und zudem in unterschiedlichen Oberflächenbeschaffenheiten (glatter, rauer). Kunstledersättel besaßen alle eine klassische Federung mit zwei großen Druckfedern. Tourenräder der späten 1960er Jahre besaßen wieder einen Ledersattel, bevor Anfang der 1970er Jahre die letzten Mifa-Tourenräder mit einem Federsattel mit Gummi- und auch Kunstlederdecke ausgestattet wurden.

An Diamant-Luxus-Sportädern wurden sogenannte Terry-Sättel verbaut. Diese Sättel besaßen ein gefedertes, verchromtes Gestell und eine Satteldecke aus Lefa (Lederfaserstoff), die mit einer dünnen Schaumgummischicht und dann mit braunem bzw. in späteren Jahren hauptsächlich mit grauem Kunstleder bezogen war. Ende der 1950er Jahre trugen diese Sättel die Bezeichnung "Einheitssattel 455 KG", wurden also als Unisex-Sättel an Herren- und Damenrädern gleichermaßen verbaut. Später als "Nr. 455 F" bezeichnet, waren diese Sättel aus zwei Teilen zusammengenäht und somit zweifarbig. Sie wurden auch an den frühen Klapprädern Ende der 1960er Jahre verwendet.

Sporträder von Mifa besaßen ab Ende 1989 alternativ zum Echtleder-Sportsattel mitunter einen neuartigen, sehr bequemen Terrysattel mit schwarzer Kunstlederdecke. Bereits ab 1987 taucht er an den Fahrrädern in Genex-Katalogen auf. Es ist noch nicht gänzlich klar, ob es sich dabei um ein DDR-Produkt oder einen Importartikel handelte.




Mit Gummidecke

In der frühen DDR (40er/50er Jahre) wurden Gummisatteldecken auch als Zubehör- bzw. Ersatzteil für kaputte Satteldecken auf den damals typischen Tourensättel angeboten.

Ab den 1970er Jahren wurden Tourensporträder auch mit Sätteln ausgestattet, deren Sitzflächen aus grauem Gummi bestanden und verchromte bzw. verzinkte Sattelgestelle mit Federn besaßen. Die verzinkten Gestelle lösten gegen Ende der 70er die verchromten ab. Es gab eine Herren- und Damenversion, die sich in der Länge unterscheiden. Produziert wurden sie von Möve. Es gab ab den 1970er Jahren auch Terry-Sättel, deren Bauform in Westdeutschland weit verbreitet war. In der DDR fand sie vor allem an den Klapprädern Verwendung. Die Satteldecke dieser Terry-Sättel wurde in einem Stück gegossen. Bekannt sind hier graue und schwarze Satteldecken. Produziert wurden diese Terry-Sättel bis 1991. Ab 1986 wurden diese nur noch als Zubehör- beziehungsweise Ersatzteil angeboten.



Mit PUR-Decke

In den 1980er Jahren wurden an Tourensporträdern und Klapprädern auch Sättel aus PUR-Kunststoff verbaut. Die Sattelgestelle waren verzinkt. Produziert wurden auch diese Sättel von Möve.




Ungefederte Sättel

Sportsättel

Für Sporträder der Hersteller Mifa und Diamant wurden ab 1954 Sportledersättel von Möve produziert. Diese Sättel, die im Wesentlichen unverändert bis 1990 angeboten wurden, trugen in den späten 1950er Jahren die Bezeichnung "Sportsattel Nr. 421 VL". Die Satteldecken waren aus Kernleder, ab den 1960er Jahren bisweilen auch aus aus zwei dünnere Lederteilen, die zu einer Lederdecke zusammengeklebt wurden (vrmtl. Materialmangel oder schlechte Lederqualitäten). Bis in die 1970er Jahre wurden die Satteldecken braun lackiert, später jedoch nicht mehr eingefärbt. Bis Anfang der 1960er Jahre wurden Sportsättel hinten mit einer Herstellerplakette aus Messing oder Stahlblech ausgestattet. Die Sattelgestelle und Sattelklemmen waren verchromt, ab etwa Anfang der 1970er Jahre dann verzinkt.

Davor, um 1953, gab es bereits einen baugleichen Sattel von LLM. In den 1950er Jahren gab es zudem Sportsättel mit "Simson"-Punzierung an den Flanken. Der Hersteller dieser Sättel ist bislang unbekannt. Ob Simson-Fahrräder auch ab Werk damit ausgestattet wurden, lässt sich nicht einschätzen.



Rennsättel

Möve fertigte seit Beginn der Rennradherstellung durch Diamant auch Rennsättel. Diese Sättel, die im Wesentlichen unverändert bis 1990 angeboten wurden, trugen ab den späten 1950er Jahren die Bezeichnung Rennsattel Nr. 466 VL. Die Satteldecken bestanden aus Kernleder und wurden sowohl mit unbehandelter (natur) oder mit lackierter Oberfläche (rotbraun, braun, schwarz) angeboten. Bis etwa Anfang der 60er Jahre trugen sie, wie die Sportsättel, eine Herstellerplakette aus Metall. Die Gestelle wurden um 1960 komplett neugestaltet und bis in die 70er Jahre verchromt. Danach wurden sie nur noch verzinkt und ohne konstruktive Änderungen bis 1990 produziert.
Parallel dazu begann man vermutlich in den 70er Jahren verstärkt mit dem Import von leichten Kunststoffsätteln der Marken favorit bzw. Sportex, weil die pflegebedürftigen Ledersättel bei vielen Rennfahrern keinen guten Ruf genossen. Die Kunststoffsättel waren dagegen resistent gegen Nässe bzw. Schweiß und wurden in verschiedenen Ausführungen geliefert (glatte oder strukturierte Oberfläche, zum Teil mit Belüftungslöchern; mit oder ohne Laschen für Werkzeugtaschen). Montiert wurden diese Sättel meist mit den soliden Sattelkloben von Möve, auch wenn deren Klemmschraube eigentlich zu breit für die schmal geschnittenen Kunststoffsättel war. Verbreitung fanden diese Sättel vor allem im Bahnradsport, wo es weniger als bei Straßenrennen auf Komfort bzw. Dämpfung von Unebenheiten ankam.




Bis Ende der 50er Jahre wurden am Diamant-Bahnrad Modell 177 die gleichen Sättel wie am Straßenrennrad verwendet. Erst mit der Neustrukturierung der DDR-Fahrradindustrie nahm Möve einen Spezial-Sattel für Bahnräder in sein Fertigungsprogramm auf. Dieser trug die Bezeichnung Rennsattel Nr. 467 VL und war weitgehend baugleich mit der Straßenvariante. Allerdings war der Sattel im hinteren Teil schmaler ausgeführt und man verzichtete auf die bei Bahnrennen ohnehin überflüssigen Laschen zur Befestigung einer Werkzeugtasche.
Danach machten die Bahnrad-Sättel alle Entwicklungsschritte parallel zu den Straßen-Rennsätteln mit, weshalb auf die Auflistung der Variationen verzichtet werden soll.


Kindersättel

Siehe auch unter Kindersitze.