Mifa Sporträder bis 1960

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 Diese Seite ist Teil der Modellübersicht des VEB Mifa-Werk Sangerhausen
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Wiederaufnahme der Produktion von Sporträdern

Fragment eines frühen Sportrads SH 14/1 von 1953. Vorderradgabel nicht original.

Noch bis Anfang der 1950er Jahre produzierte die Fahrradindustrie der DDR fast ausschließlich einfache Gebrauchsräder. An Renn- und Sporträder war zu dieser Zeit vor allem aufgrund der niedrigen Produktionskapazitäten kaum zu denken. Die Entwicklungsarbeiten an Sporträdern hatten bei Mifa dennoch bereits um 1950 begonnen. Bereits am 21. Februar 1951 berichtete die NEUE ZEIT, dass "die Mifa-Fahrradwerke [...] mit zwei neuen Fahrradsport-Modellen auf den Markt [kommen], die sich von den bewährten Tourenmodellen unter anderem durch einen leichteren Rahmenbau, Felgenbremsen und einen verstellbaren Sportlenker unterscheiden." Auf der Frühjahrsmesse 1951 wurden die neu entwickelten Mifa-Sporträder vorgestellt. In einem Messe-Informationsheft aus der Mitte desselben Jahres heißt es, dass "[d]ie Mifa-Fahrradwerke, Sangerhausen, die von der Sowjetunion in die Hände des Volkes zurückgegeben wurden, und heute der IFA angehören, [...] ein reichhaltiges Sortiment von Fahrrädern zeigten. Neukonstruktionen sind die beiden Sportradmodelle für Damen und Herren, deren besondere Merkmale Rahmen mit Ausfallenden, Keilgetriebe, Laufradbefestigung mit Flügelmuttern, Kabelfelgenbremse und verstellbarer Vorbaulenker sowie leichter Sportsattel sind. Das Damenrad besitzt gerade Rohre." Aus den Angaben lässt sich nicht ableiten, ob es sich dabei 26"- oder 28"-Räder handelte.

Überhaupt erscheint es fraglich, dass die Produktion von Sporträdern bei Mifa bereits 1951 in der angegebenen Ausführung begann. Auch darauffolgende Messepräsentationen und Zeitungsmeldungen dürften nicht unmittelbar mit dem tatsächlich realisierten zur Deckung zu bringen sein. Auf einem offiziellen Foto von der Leipziger Frühjahrsmesse 1953 war das Mifa-Sportrad mit Aluminiumfelgen und einer trapezförmigen Rahmentasche zu sehen. Am 16. August 1953 hieß es im NEUEN DEUTSCHLAND: "Das volkseigene Mifa-Werk Sangerhausen stellt als Messeschlager erstmalig seit 1945 ein Herrensportrad in farbiger Ausführung aus, das auf Wunsch mit einer Dreigangschaltung geliefert wird." Eine solche Ausstattungsvariante lässt sich bislang jedoch nicht belegen.

Bei den frühesten bisher bekannten Belegexemplaren handelt es sich um folgende Fahrräder: Herren-Sportrad 26“ (vgl. Modell 9 b), Damen-Sportrad 26“ (vgl. Modell 10 b) und Herren-Sportrad 28“ (vgl. Modell SH 14/1), jeweils aus dem Jahr 1953. Spätestens ab 1955 wurden auch Damen-Sporträder mit 28“-Laufrädern produziert. Ausgehend von diesen vier Grundtypen entstanden verschiedene Ausstattungsvarianten, die die folgende Tabelle aufzählt. Sämtliche Modellbezeichnungen stützen sich auf Katalogangaben des Zeitraums 1956 bis 1958. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Bezeichnungen zuvor anders lauteten oder noch weitere, bisher nicht dokumentierte Sportrad-Modelle produziert wurden.

Ausführung Laufradgröße Bemerkungen Bauzeit
9 b Herrenrad 26“ einfache Ausstattung mit Rücktrittbremse belegt für 1953 bis 1958
9 e Herrenrad 26“ gehobene Ausstattung (u. a. starre Hinterradnabe mit Freilauf) belegt für 1954 bis 1959
10 b Damenrad 26“ Ab 1958 mit neuer Rahmenform belegt für 1953 bis 1959
SH 14/1 Herrenrad 28“ einfache Ausstattung mit Rücktrittbremse belegt für 1953 bis 1958
SH 14/2 Herrenrad 28“ gehobene Ausstattung (u. a. starre Hinterradnabe mit Freilauf) belegt für 1956 bis 1959
SD 15 Damenrad 28“ einfache Ausstattung mit Rücktrittbremse belegt für 1955 bis 1957
SD 15/2 Damenrad 28“ gehobene Ausstattung (u. a. starre Hinterradnabe mit Freilauf) belegt für 1956
SD 15 s Damenrad 28“ geänderte Rahmenform vrmtl. nicht produziert

Rahmen und Ausstattung

Das 26" Damensportrad 10 b (hier von 1956) entsprach mit breiten Schutzblechen und 47 mm breiten Reifen eher dem Charakter eines Tourensportrads.

Gemeinsames Merkmal aller Mifa-Sporträder war ein gemuffter Stahlrohrrahmen, der sowohl bei Damen- als auch Herrenrädern lediglich in einer einheitlichen Rahmenhöhe (55 bzw. 56 cm) lieferbar war. Bei allen Damen-Sporträdern wurden Oberrohr und Sitzrohr noch bis 1958 miteinander innenverlötet, im gleichen Jahr erfolgte der Wechsel zu einem vollständig außengemufften Rahmen. Das Tretlager betreffend wurden grundsätzlich geschraubte Lagerschalen (BSA-Bauweise und Tretkurbeln mit Keilbefestigung verwendet. Eine Gangschaltung war nicht serienmäßig, konnte jedoch problemlos nachgerüstet werden, was insbesondere an den Modellen mit Leerlaufzahnkranz häufig getan wurde. Ab 1957 waren teilweise sogar entsprechende Ösen zur Seilzugführung am Rahmen werksseitig angelötet. Zur Ausstattung gehörte stets ein sportlicher Flachlenker, zumeist mit Leichtmetallvorbau von Grünert.

Während die Rahmen der 26"-Sporträder die Ableitung aus den Tourenmodellen S 9 und S 10 noch deutlich erkennen ließen, handelte es sich bei den 28“-Modellen um eine recht konsequent sportliche Konstruktion mit grazilem, geschlossenen Hinterbau. Sporträder mit Felgenbremsen, Leerlaufzahnkranz und Aluminiumfelgen sind ab dem Baujahr 1954 belegt (Modelle 9 e und SH 14/2). Die weiteren Variationen hinsichtlich der Ausstattung sind den Beschreibungen der jeweiligen Modelle zu entnehmen.

Weiterentwicklungen und Produktionsende

Sporträder von Mifa als Exponate auf der Leipziger Herbstmesse 1957. Im Vordergrund (blaues Fahrrad) ein Modell 9 e, daneben die Modelle SH 14/2 und 9 b, ganz rechts ist das Modell SH 14/1 zu sehen. Beim Modell 9 b ist der überarbeitete Hinterbau sowie die Luftpumpenhalterung erkennbar.

Sowohl die 26“- als auch die 28“-Modelle wurden im Verlauf der Produktionszeit mehrfach weiterentwickelt. So brachte das Baujahr 1954 neue, für alle Sporträder einheitliche Rahmenmuffen. 1956 wurde der Sportgepäckträger durch einen Gepäckträger in "Schwedenform" ersetzt. 1957/58 erhielten die Rahmen zusätzliche Befestigungspunkte (Ösen, Halterungen etc.), die den nachträglichen Anbau einer Kettenschaltung und einer Felgenbremse ermöglichten. Beim Modell 10 b ging man 1958 zu einer geänderten Rahmenform über. Darüber hinaus sollen gemäß Katalogangaben seit 1958 alle Modelle vorn eine Felgenbremse am Vorderrad besessen haben (dies wäre nur in Kombination mit Leichtmetallfelgen möglich gewesen). Dies wurde scheinbar nicht mehr bei allen Modellen umgesetzt. Zur selben Zeit wurde die Rundscheidengabel von Diamant für alle Mifa-Sporträder übernommen, auch das Farbprogramm wurde durch Metallic-Lackierungen erweitert und aufgewertet. Trotz dieser umfangreichen Verbesserungen wurde (vermutlich im Zuge der Sortimentsbereinigung) entschieden, die Herstellung der Sporträder bei Mifa zu beenden. Schon 1957 war die Produktion der 28"-Damen-Sporträder eingestellt worden. Bisherigen Erkenntnissen nach wurden die Sporträder ab 1958 grundsätzlich mit Aluminiumfelgen, Aluminiumschutzblechen und Felgenbremsen ausgestattet. Mit dieser verbesserten Ausstattung wurden einige Sportradmodelle noch weiterproduziert, ehe auch deren Fertigung um 1960 beendet wurde. Mifa war fortan mit der Herstellung einfacher Touren- und Kinderräder beauftragt, während höherwertige Tourensport-, Sport- und Rennräder bei Diamant produziert wurden.

Lackierung und Rahmendekor

Rahmenset eines Modells 9 e von 1959 mit typischer Ringverzierung als Dekor und den ab 1958 zusätzlichen Anlötteilen für Gangschaltung, Dynamo und Luftpumpe.

Anfangs wurden die Mifa-Sporträder noch vorwiegend in dunkler Uni-Lackierung ausgeliefert (schwarz oder weinrot), teilweise mit farblich abgesetztem Steuerkopfbereich. Später wurde das Farprogramm um hellere Töne erweitert, wobei auch hammerschlag- und metallic-Lackierungen Verwendung fanden. Für das Rahmendekor sind 1953 drei verschiedene Varianten bekannt. Einerseits ein Streifendekor oder aber ein Strahlenkopf, wie es bis zu diesem Jahr auch an Tourenrädern von Mifa üblich war. Ferner ist ein Exemplar mit silberfarben abgesetzten Bereichen um Steuerkopf, Tretlager- und Sitzmuffe sowie Ausfallenden bekannt. In der bereits erwähnten Zeitungsmeldung vom 16. August 1953 heißt es dazu: "Neben der Ausführung in Schwarz wird das neue Modell im Grundton Weinrot, grau abgesetzt und blau eingefasst, erhältlich sein. Im kommenden Jahr wird es dem Werk durch die Inbetriebnahme eines zweiten Lackierofens möglich sein, die Räder mit noch vielseitigerem Farbanstrich zu liefern." Demzufolge wurde diese Farbvariante erstmals auf der Leipziger Herbstmesse vorgestellt und blieb bis 1954 neben Schwarz offenbar die einzige Farblackierung bei Mifa-Sporträdern. Ab 1954/55 sind die Räder dann in verschiedenen Buntlackierungen zu finden. Spätestens ab Mitte 1954 wiesen die Mifa Sporträder ein Dekor aus silberfarbenen Ringerverzierungen auf, teilweise mit silberfarben abgesetzem Steuerkopfbereich. 1956/57 fand einheitlich ein abgewandeltes Strahlenkopfdekor Verwendung, ehe schließlich ab 1958 einheitlich wieder mit silberfarbenen Ringverzierungen dekoriert wurde. Weitgehend unverändert blieb hingegen das übrige Rahmendekor, wie etwa der Mifa-Schriftzug am Unterrohr. Weitere Details über die bei Mifa verwendeten Rahmendekore sind hier zu finden.