Jugendrad Modell 355

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Einordnung in die Modellpalette

Beim Modell 355 des Kombinats Fortschritt Landmaschinen handelt es sich um ein 24"-Jugendrad in Mädchenausführung. Die entsprechende Knabenausführung wurde unter der Bezeichnung Modell 305 angeboten.
Die Produktion der bisher bei Mifa gefertigten Jugendräder wurde 1974 in den Betriebsteil Neukirch des Kombinats Fortschritt Landmaschinen verlegt und fand dort im Rahmen der Konsumgüterproduktion statt. Zunächst behielt man den Markennamen "Mifa" bei, ab der ersten Hälfte der 1980er Jahre wurden die Fahrräder unter der Marke "Fortschritt", ab ca. 1984 dann als "Pionier" und ab 1990 als "Twenter" verkauft.

Rahmen und Ausstattung

Der Rahmen sowie die Details der Ausstattung entsprachen anfangs dem bisher von Mifa bekannten Typ. Der Rahmen verfügte über Ausfallenden, die Rahmenhöhe betrug 44 cm. Für die Befestigung des Kettenschutzes, des Dynamos und der Luftpumpe waren entsprechende Anlötteile vorhanden. Am Unterohr und an der linken Kettenstrebe befanden sich Ösen zur Befestigung des Beleuchtungskabels.
Das Modell 355 besaß ein Keiltretlager in Thompson-Ausführung, Leichtmetallfelgen, sowie laut Katalogangaben Schutzbleche aus Leichtmetall, wobei in der Serie offenbar auch grau lackierte Stahlschutzbleche verwendet wurden. Eine Stempelbremse mit Bowdenzug, ein Flachlenker, Flügelmuttern, sowie ein Kleidernetz waren weitere Merkmale. Teilweise besaßen die Jugendräder jedoch auch Stahlschutzbleche, die in Rahmenfarbe lackiert und weiß liniert waren. Der Gepäckträger und der Kettenschutz waren in Rahmenfarbe lackiert.

Änderungen während der Produktionszeit

Ein original erhaltenes Jugendfahrrad von 1982 erlaubt einige Rückschlüsse über Veränderungen am Rahmen und an der Ausstattung. So wurde die Dynamohalterung spätestens ab diesem Jahr am Hinterbau angebracht statt wie bisher an der Vorderradgabel. Zudem wurde das Beleuchtungskabel nun im Rahmen verlegt. Seit ca. 1980 wurden neue Gepäckträger verwendet. Bei den Jugendrädern aus der zweiten Hälfte der 80er Jahre hatte man die Ausstattung um ein Speichenschloss erweitert, das an einer am Hinterbau befindlichen Halterung angebracht wurde.
Seit Ende der 1970er Jahre wurden die Jugendräder überwiegend mit dem Lenker der Klappräder ausgerüstet. In Modellübersichten von 1978 und 1980 wird für diese Ausstattungsvariante die Modellnummer 355 L aufgeführt. Vermutlich im Zusammenhang mit der Umgestaltung der Modellpalette im Jahr 1984 wurde diese Unterscheidung anhand des Lenkers jedoch wieder fallengelassen, nun wurden offenbar beide Ausführungen als Modell 355 bezeichnet. Aufgrund der widersprüchlichen Angaben in den vorliegenden Katalogen sind hierzu jedoch keine eindeutigen Aussagen möglich. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre wurde Modell 355 offenbar serienmäßig mit einer Felgenbremse ausgestattet. Etwa zeitgleich wurden Kleidernetze für Schutzbleche der üblichen Löcherzahl verwendet. Bisher waren an diesem Modell ungwöhnlich vielstrahlige Kleidernetze verwendet worden, wie sie sonst nur bis anfang der 1950er Jahre gebräuchlich waren.

Lackierung und Rahmendekor

Zunächst wurde das Modell 355 noch mit dem von Mifa bekannten Lackierungsschema und Rahmendekor ausgeliefert. Lediglich ein Aufkleber am Sattelrohr wies auf den eigentlichen Hersteller hin. Erstaunlich ist dabei, dass das von Mifa nur bis 1975 verwendete Rahmendekor an den Jugenfahrrädern noch bis Anfang der 1980er Jahre überdauerte. Vermutlich nur im Zeitraum 1982 bis 1984 wurden die Jugendräder unter der Marke "Fortschritt" angeboten. Die Rahmen waren generell nur noch einfarbig lackiert und besaßen ein sehr einfaches Rahmendekor aus Chromfolienaufklebern. Am Unterrohr war nun entsprechend der neuen Markenbezeichnung der Schriftzug Fortschritt zu finden.
Offenbar im Zusammenhang mit der Einführung der 26"-Jugendräder der Marke Junior, die spätestens ab 1984 angeboten wurden, wählte man auch für die 24"-Modelle einen neuen Markennamen. Sie wurden nun als Pionier angeboten. Diese Annahme findet weitere Unterstützung dadurch, dass das Rahmendekor der Junior- und der Pionier-Fahrräder sehr große Ähnlichkeiten aufweist. Die Rahmen waren weiterhin einfarbig lackiert und besaßen ein sehr einfaches Rahmendekor aus Chromfolienaufklebern. Am Unterrohr war dabei der Schriftzug Pionier zu finden. Der Aufkleber am Sattelrohr wies auf den Hersteller der Fahrräder hin (nunmehr VEB Mähdrescherwerk Bischofswerda/Singwitz). Am Steuerkopf befand sich ein weiterer Aufkleber mit IFA-Raute und Angabe der Laufradgröße (24"). Ein markantes Detail waren schwarz lackierte Gabelhauben und Lenkerköpfe, wie sie ab der zweiten Hälfte der 1980er Jahre Verwendung fanden. 1990 wurde in Zusammenhang mit dem Markennamen "Twenter" erneut ein anderes Dekor eingeführt.

Galerie

Anlötteile am Rahmen

Verwendungszweck Bemerkungen
Halterung für Luftpumpe am Sattelrohr
Halterung für Dynamo an der Vorderradgabel, ab spät. 1982 am Hinterbau
Befestigungspunkte für Kettenschutz
Befestigungspunkte für Lichtkabel an Unterrohr u. Kettenstrebe (bis max. 1982)
Halterung für Speichenschloss an der linken Sitzstrebe (ab 198x)

Technische Merkmale

  - Stahlrohrrahmen mit Außenmuffen, Oberrohr gebogen, Unterrohr gerade, Rahmenhöhe 44 cm
  - gerade Sitzstreben, gekröpfte Kettenstreben, schräge Ausfallenden nach vorn
  - Keiltretlager Thompson-Ausführung, Kettenblatt mit 40 Zähnen
  - polierte Aluminiumfelgen 24", Flügelmuttern
  - Bereifung 24" × 1 3/4"
  - vorn Stempelbremse mit Bowdenzug
  - hinten Freilaufnabe mit Rücktrittbremse, Zahnkranz mit 20 Zähnen
  - Flachlenker bzw. Hochlenker ohne Vorbau
  - polierte Leichtmetallschutzbleche oder farbig lackierte und weiß linierte Stahlschutzbleche,
  - Zubehör: Kettenschutz, Kleidernetz, Luftpumpe, Werkzeugtasche