Diamant Modell 35 205

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Einordnung in die Modellpalette

Diamant Modell 35 205

(Typenblatt 1961)

Als Antwort auf den französischen Trend der Radwanderfahrten, bei denen die sogenannten Randonneure weite Strecken sportlich, aber meist ohne wettkampfmäßigen Anspruch fahren, stellte Diamant Ende 1960 oder Anfang 1961 das Modell 35 205 vor. Aufgrund dieser Ausrichtung wurde es als Wandersportfahrrad bezeichnet.
Das Modell 35 205 stellt dabei eine Kombination aus Renn- und Sportrad dar und lässt sich zum einen dank der Viergang-Kettenschaltung sportlich fahren. Zum anderen ermöglicht der stabile Gepäckträger und eine ab Werk mitgelieferte, große Packtasche die Mitnahme von Gepäck und Ausrüstung für mehrtägige Radwanderfahrten.

Unklar ist, wie das Fahrradmodell in den damaligen Produktionsplan einzuordnen ist. Laut gegenwärtiger Literatur wurde das Modell 35 205 nur 1961 in einer Kleinserie von etwa 500 Einheiten gebaut. In einer Anzeige in der Zeitschrift "Kraftfahrzeugtechnik" (Heft 7/1961) wird die Spezialanfertigung u. a. von Wandersportfahrrädern erwähnt und aus dem gleichen Jahr ist ein fünfsprachiges Typenblatt des Modells bekannt. Das Modell 35 205 wird darin genauso ausführlich beschrieben, wie die anderen Serienmodelle auch, sodass unklar ist, warum nur so eine kleine Serie der sonst alltagstauglichen Konstruktion entstand und ob sie überhaupt für den Binnenmarkt geplant worden war. Auffällig ist jedoch der Rückgang in den realisierten Produkionszahlen bei Diamant Anfang der 1960er Jahre. Als Ursache hierfür ist unter anderem der Ausbau der Kapazitäten für Flachstrickmaschinen zu sehen. Möglicherweise trug dies dazu bei, dass das innovative Wandersportrad nicht den Weg in die Serienproduktion fand.

Rahmen und Ausstattung

Der Rahmen wurde wie die Rennräder aus hochwertigen, leichten Chrom-Molybdän-Rohren gefertigt und sollte in drei verschiedenen Rahmengrößen verfügbar sein.
Einzigartig in der Diamant-Modellpalette ist die spezielle Ausführung des gekrümmten Oberrohrs, das unterhalb der Sitzklemmung mit dem Sitzrohr verbunden ist. Durch diese Interpretation des sogenannten Mixte-Rahmens entsteht ein stabiler Rahmen, der sowohl für Damen und Herren nutzbar ist. Im Fotoarchiv des Herstellers Diamant findet sich zudem die Abbildung eines Prototyps mit gerade von vorn oben nach hinten unten verlaufendem Oberrohr. Diese Variante wurde jedoch offenbar nicht weiterverfolgt.
Die Steuerkopf- und Tretlagermuffen sind bei den Rennradmodellen entliehen, wobei die obere Steuerkopfmuffe auf den speziellen Oberrohrwinkel abgestimmt werden musste. Die mittlere Rahmenmuffe ist eine Spezialkonstruktion und vermutlich aus drei Teilen zusammengesetzt. Die Sattelklemmmuffe dagegen stammt von den Damen-Sportradmodellen. Die hinteren Ausfallenden sind eine Spezialausführung, die für die Montage der Renak-Kettenschaltung optimiert ist. Anders als bei den Renn- oder Luxus-Sporträdern wird rechts und links jedoch die gleiche Ausführung verwendet.
Die typische Diamant-Rundscheidengabel besitzt die gleichen Ausfallenden wie die Luxus-Sporträder.

Außergewöhnlich für ein Diamant-Fahrrad ist auch das Reifenmaß, denn der Rahmen ist für Reifen der französischen Größe 650B ausgelegt. Dabei handelt es sich um eine spezielle 26"-Bereifung der Dimension 26" × 1 3/8" × 1 1/2" (35 – 584 nach ETRTO), deren Innendurchmesser (584mm) größer ist als der der sonst in der DDR üblichen 26"-Reifen (47 – 559 nach ETRTO), die aber mit 35mm Breite genauso schmal ist wie die Reifen der 28"-Sporträder. Zuvor wurde dieses Reifenmaß in der DDR-Fahrradindustrie nur bei einigen Mifa-Sportradmodellen der 1950er Jahre verwendet.

Bei der Ausstattung griff man auf Standard-Komponenten der Renn- und Sportradmodelle zurück.
Von den Sporträdern abgeleitet wurden dabei der Flachlenker samt HaGe-Griffen und Stahlvorbau sowie der Sportradsattel Type 421 VL mit Lederdecke. Auch die Schutzbleche orientieren sich an der Ausführung bei den Luxus-Sporträdern.
Das Renngetriebe in BSA-Ausführung mit Einfach-Kettenblatt und Infesto-Langstreckenpedalen dagegen stammt wie die Alda-Bremsen mit Zugentlastern vom Rennrad. Zweckmäßig für den Gepäcktransport ist auch die Anbringung der hinteren Bremse, da diese werksseitig vor den Sitzstreben, also in Richtung Sitzrohr angebracht war und somit mehr Platz für die Gepäcktaschen ließ. Die Renak-Viergang-Kettenschaltung in Kombination mit Aluminium-Naben und Flügelmuttern war zu dieser Zeit an den Luxus-Sportradmodellen üblich.
Die Beleuchtung besteht wiederum aus dem sonst bei den Rennrädern verwendeten FER-Standard Dynamo-Scheinwerfer und einem Balaco-Rücklicht. Für die Kabelführung sind auf der Unterseite des Unterrohrs kleine Ösen angelötet.
Ein auf 1960 datiertes Werksfoto zeigt zudem ein Vorserienmodell mit einem auf dem Schutzblech befestigten IKA FEK Scheinwerfer - ob diese Ausführung allerdings auch in der Kleinserie gebaut wurde, ist nicht bekannt. Komplettiert wird das Modell durch eine Renn-Luftpumpe und eine speziell auf den Gepäckträger bzw. den Rahmen zugeschnittene, silberfarbene Gepäcktasche mit mehr Stauraum als die sonst üblichen Modelle.

Lackierung und Rahmendekor

Die Lackierung des Modells 35 205 orientierte sich an der üblichen Diamant-Farbpalette der frühen 60er Jahre. Bekannt sind demnach Metallic-Lackierungen in grün und blau, aber auch zwei Exemplare mit dunkelgrünem Uni-Lack.
Das Rahmendekor bestand bei allen Varianten aus bunten "Weltmeisterringen" am Sitzrohr, am Unterrohr und an den Gabelscheiden. Details zu den bei Diamant verwendeten Rahmendekoren finden sich im Artikel Datierung Diamant Fahrräder.

Katalogabbildungen


Galerie


Anlötteile am Rahmen

Verwendungszweck Bemerkungen
Zugführung für hintere Felgenbremse
Zugführung für Kettenschaltung Ausführung wie beim Rennrad
Halterung für Luftpumpe am Unterrohr
Befestigungspunkte für Beleuchtungskabel am Unterrohr
Sockel für Schalthebel am Unterrohr (nur rechts)



Technische Merkmale